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Seelische
Hilfen für Kranke
Die Krankheit mag schlimm und schmerzhaft sein, sie nimmt den Menschen
zeitweilig aus der Tretmühle seiner Verpflichtungen heraus.
Jeder (auch ein Chef) sieht: er kann jetzt einfach nicht. Er hat
eine Zeitlang "Urlaub" davon, sich selber führen
zu müssen. Er bekommt eine Atempause zum Überdenken seiner
bisherigen Lebensgewohnheiten. Manchmal "holt" man sich
eben einen Beinbruch, um vorübergehend Ruhe vor den Anforderungen
der Umwelt zu haben.
Immer wenigeren Menschen kann der Pfarrer weiterhelfen. Sie müssen
heute ihre eigenen Wege suchen. An die Stelle der Kirche tritt zeitaufwendige
Psychotherapie oder Lebensberatung, für die man sich aber erst
einmal öffnen muß - und wer bezahlt es? Und so treten
auf einmal wieder Märchen ins Licht der Öffentlichkeit,
die Jahrhunderte lang ein unauffälliges Leben in Gesindestuben
geführt haben.
Märchen
und Schicksal
Märchen schildern Schicksalswege in Bildern, sowohl menschheitliche
wie individuelle. Immer verlassen in ihnen die jungen Helden das
Elternhaus und gehen in die Welt, ob nun von der Stiefmutter dazu
gedrängt, oder ob sie für den kranken Vater das Wasser
des Lebens suchen wollen. Müssen nicht auch wir Gewohntes verlassen,
uns auf den Weg machen, wenn wir etwas Neues lernen wollen? Wer
es nicht freiwillig tut, den zwingt oft das Schicksal dazu. Lange
Wege mit vielen Prüfungen werden da beschrieben, und wir Leser
oder Hörer können dabei ahnen, wo wir selber stehen: welche
Prüfungen wir schon bestanden haben und welche wir noch vor
uns haben. Märchen ermutigen uns durch ihren guten Ausgang
dazu, Krisen zu bejahen, unabänderliche Schwierigkeiten (des
eigenen Schicksals) auf uns zu nehmen. Das macht uns frei, das Mögliche
zu tun. Im Tun gesunden wir (siehe Grafik "Psychiatrie")
Lebenswege
werden
in den Märchen in vielen Variationen behandelt. Der Dummling
wird nur so genannt, weil er sich nicht durchs Leben trickst wie
die anderen, und scheinbar naiv die Wahrheit sagt. Er bekommt aber
am Ende die Königstochter zur Frau! Haben wir nicht auch die
drei Brüder des Märchens in unserer Seele, von denen die
beiden ältesten es erst einmal mit Faulheit und Hochmut versuchen
und scheitern, bevor der Dummling hinter dem Ofen hervorkommt und
auf geradem Wege alle Prüfungen besteht? Wie lange wir zum
Scheitern brauchen, ist individuell verschieden. Auch folgt die
Zeit im Märchen anderen Gesetzen als die Zeit unseres Wach-Lebens
- ein interessantes Thema für eine Vertiefung.
Märchenbeispiele
Die Stiefschwestern in Aschenputtel sind Bilder
für seelische Einseitigkeiten. Bei der einen ist die Zehe zu
groß: sie tippelt auf Zehenspitzen, ist eine Schwärmerin,
Phantastin - bei der anderen ist die Ferse überbetont, sie
stampft damit auf, wenn sie ihren Eigenwillen durchsetzen will.
Für sie gibt es nur handfeste irdische Tatsachen, einen Himmel
kennt sie nicht. Aschenputtel bringt Himmel und Erde ins Gleichgewicht:
sie leistet die schwere Arbeit im Haushalt, geht dabei aber dreimal
am Tage beten zum Grab der Mutter. Ihr paßt der goldene Schuh,
den die Tauben, die Himmelsboten, ihr verliehen haben. Er ist ein
Sinnbild dafür, daß sie das Gold der Wahrheit bis in
die Füße, in die praktische Tätigkeit, heruntergebracht
hat. Die Stiefschwestern wollen ihre Einseitigkeit verleugnen (Zehe
und Ferse abschneiden = ein Bild für Verdrängung, wie
der Psychologe sagen würde), aber die Tauben entlarven die
Lüge.
Rotkäppchen:
Steckt unsere Zivilisation heute nicht in dem dunklen, engen Wolfsbauch?
Der Mensch mußte zwar vom Weg abgehen, um selbständig
zu werden (z.B. gegen die Führung durch die Kirche revoltieren),
aber was fängt er mit den vielen "Blumen" an, die
er durch das naturwissenschaftliche Fakten-Sammeln aus ihrem Lebens-Zusammenhang
gebrochen hat (siehe Grimm-Text)? Wenn sich unsere Seele im Spiegel
sehen könnte, würde sie dann nicht auch über die
großen Augen und Ohren erschrecken, mit der sie die sinnliche
Welt gierig in sich aufgenommen hat, über die großen
Hände, die alles an sich raffen, den großen Mund, der
sich alles einverleiben will? Haben wir nicht auch unseren Ursprung,
unsere Ahne vergessen? Wann entwickelt sich im Menschen der Jäger,
der mit seinem Unterscheidungsvermögen, der Schere, wieder
Licht in die Sache bringt?
Original
Grimm - oder modernisierte Texte?
Würden wir "Reinecke Fuchs" von Goethe oder "Faust
I" - in unsere Alltagssprache übersetzen, damit sie heute
nicht befremden? Ich habe die Erfahrung gemacht, daß meine
Zuhörer der Originalsprache gebannt lauschen. Auch Kinder stellen
keine Zwischenfragen, weil sie nicht davorstehen und urteilen, sondern
zusammen mit dem Erzähler durch die Bilder wandern. Die genaue,
klare Sprache der Brüder Grimm birgt viele Geheimnisse an Rhythmus
und Klang und Bedeutung. Es ist nicht nur die Information, die man
schnell versteht und als "verstanden" abhakt, sondern
der Genuß an der künstlerischen Form der Sprache, die
erfreut, ernährt und stärkt, und die man immer wieder
hören möchte.
Märchen
– Hilfe in der Krise
Die Menschen hungern nach der bildenden Kraft dieser Sprache und
nach den prophetischen Bildern der Märchen, die ihnen zu Begleitern
und Helfern in schwierigen Lebensabschnitten werden können.
Referenzen:
(sortiert nach Postleitzahlen)
22559
Hamburg-Rissen, Krankenhaus Auf der Surheide,
Frau G. Lütt, Tel. 040 – 040 – 8191 - 0 (Sept.
2000, Sept. 2001)
30173
Hannover, Kinderklinik „Auf der Bult“, (Okt.
2000, Sept. 2001, Sept. 2002 für Patienten der Kinder- und
Jugendpsychiatrie) Tel. 0511 – 8115 – 222
32105
Bad Salzuflen, Klinik Flachsheide, (Aug. 2002 für
Patienten d. Psychosomatik) Tel. 05222–398–8087
70191
Stuttgart, Bürgerhospital, (für erwachsene Patienten
der Psychiatrie Okt. 1998, Juni 2000, Aug. 2000) Tel. 0711–
253 – 2929
71579
Oppenweiler, Fachklinik Wilhelmsheim für Drogen-
u. Alkoholabhängigkeit, Dr. Kolb,Tel. 07193 - 52215,
Erzählen zum Thema "Generationenprobleme im Märchen"
für Betreuer der Nachsorge (29.11.2009)
98527
Suhl, Zentralklinikum, Dr. med. Edelmann.
Tel. 03681 – 3556 – 00, (April 2001 für Kinder)
Pressestimmen:
……„Lachen tut gut und befreit“ Nach diesem
Motto erzählt…..Frank Jentzsch…..in seiner humorvollen
und packenden Art…. … Wenn Frank Jentzsch erzählt,
hängen die Zuhörer an seinen Lippen…." .....wird
Frank Jentzsch die Gäste mit Märchen verzaubern und etwas
von ihrem tiefen Hintergrund verraten und spüren lassen.......
Er begeistert durch seine Sprache. Innere Bilder leben im Zuhörer
auf, die mit dem eigenen und dem Menschheit
zu
tun haben.....Ein Sommernachmittag mit erzählerischem Hochgenuß...."
Hörer-Echo:
„Nicht wahr, Sie sind Therapeut?!" |
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