| Warum
Märchen? - Warum Erzählen?
1)
Mein Lebenslauf
Ich
wurde 1939
in Königsstein bei Dresden geboren. Mein ältester Bruder Gerd
las mir Grimmsche Märchen vor, drückte mir jedoch eines
Tages das Buch in die Hand: "Da, lies selber!" Es
war aber in der alten Frakturschrift gedruckt, die ich nicht
lesen konnte.
Auf meinen Protest hin
meinte er: "Wenn`s dich interessiert, lernst Du`s"
- Nun, es hat mich interessiert!
Im
Elternhaus erklang trotz schwieriger Nachkriegsverhältnisse
viel Musik, da meine ältere Schwester Arnhild Gesang
studierte. So holte sie mich oft zum zweistimmigen Singen,
was sicherlich mein Gefühl für Rhythmus und Sprachmeldodie
geschult hat, die Mutter erzählte abends manchmal selbsterfundene
Fortsetzungsgeschichten, und der Vater weckte in mir die Liebe
zur Etymologie und ihren Feinheiten - da konnte ich später
die hohe Erzählkunst und die genaue Sprache der Brüder
Grimm wohl würdigen.
1969
erlebte ich mit meiner Frau Rosemarie zusammen die Erzählerin
Friedel Lenz in einem Vortrag über die "Bildsprache
der Märchen", und gründete anschließend
einen Arbeitskreis mit jungen Müttern zum Märchen-Erzählen-Lernen.
Als die eigenen Kinder groß waren, widmete ich mich ganz der
Sprache und begann öffentlich zu erzählen. Daneben habe ich
poetische Texte und Gedichte aus dem Englischen und Französischen
ins Deutsche übertragen. Seit 1997 gebe ich Märchen-
und Erzählkurse für Eltern und Erzieher /-innen.
2)
Meine Beweggründe für die Arbeit
Ich
ermutige Eltern, Lehrer und Erzieherinnen zum Erzählen
und Vorlesen, indem ich in Vorträgen
die Bildsprache der Märchen
und ihre tiefe Bedeutung behandle.
Meistens können moderne Menschen nämlich nicht mehr
naiv erzählen oder vorlesen wie vielleicht vor 200 Jahren.
Sie wollen wissen, was es bedeutet. Und leider verbinden sich
heute mit dem Wort Märchen viele Mißverständnisse
und Vorurteile. Vor allem an den sogenannten Grausamkeiten
stoßen wir uns. (Haben
Sie schon einmal den Kopf verloren, weil Sie Ihr Herz verschenkt
haben? Ist das grausam?)
Die Märchenfiguren sind aber gerade nicht individuelle
Menschen, für die sie meist gehalten werden, sondern
Bilder für seelische Eigenschaften des Menschen. Sie
benutzen den Kunstgriff, die seelischen Eigenschaften als
Personen auftreten zu lassen, damit der Hörer sich mit
ihnen identifizieren oder sie ablehnen kann. Durch das Identifizieren
oder das Ablehnen erlebt er die
dargestellten Entwicklungswege bis zum Ende mit. Und von eigenen
Erlebnissen lernen wir mehr als von Belehrungen.
Märchen
schildern menschliche und menschheitliche Entwicklungswege,
können damit jedem Menschen Orientierungshilfe auf dem
eigenen Lebensweg sein. Wer in der Kindheit echte Märchen
gehört oder gelesen hat (gemeint sind nicht Hauff,
Harry Potter oder Michael Ende), wird als Erwachsener
in Krisensituationen größere Lebenssicherheit in
sich spüren als jemand, der keine gehört hat. Die
Märchen spielen für das spätere Leben eines
Menschen eine ähnliche Rolle wie eine liebevolle Mutter
in seiner Kindheit.
In meinen Seminaren lasse ich die sprachschöpferische
Kraft der Grimmschen Texte erleben, und übe mit
den Teilnehmern lebendiges Erzählen und Vorlesen. Viele
Zuhörer warten schon auf die neuen Erzähler. Vor
allem Kinder lassen sich durch Sprachkultur fesseln, denn
Sprechen ist ja die Fähigkeit, die uns erst zum Menschen
macht. Deshalb muß sie gerade heute gepflegt werden,
wo viele Menschen jeden Tag einige Stunden stumm auf ein viereckiges
Stück Mattglas starren, um die Welt kennenzulernen. (Was
lernen sie dort kennen?)
Der
leibhaftige Erzähler ist im Gegensatz zum elektronischen
Medium ein mitfühlender Mensch mit Lebenserfahrung, ist
Bürge für die Wahrheit
der Geschichte. Mit ihm kann man ein Gepräch
von Herz zu Herz führen! Auch wenn die Zuhörer
manches alte Wort der Märchen nicht verstehen, so erleben
sie die Freude des Erzählers / der Erzählerin daran
und kosten und schmecken den Klang wie verheißungsvolle
Geheimnisse.
3)
Kurzfassung von
1) u. 2) sowie Technische
Hinweise für Veranstaltungen -->
kulturinformation@stuttgart.de
4)
Fotos
-->
zum Vergrößern anklicken! -->
weitere Bilder siehe
auch --> "Für Veranstalter"
|