Märchenerzähler
Frank Jentzsch

   
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Strohhalm, Kohle und Bohne (Originaltext siehe --> Brüder Grimm, KHM Ausgabe letzter Hand von 1857, Nr. 18)

 

Vom heiligen Herdfeuer kommt die glühende Kohle. Dort ist es ihre Aufgabe, sich selbst zu opfern und Wärme zu spenden. Aber sie benimmt sich nicht entsprechend würdevoll. Sie flieht vor dieser Aufgabe, geht andere Wege, ist aber noch zu hitzig und trippelt zu schnell vorwärts, anstatt stetig und zielstrebig Fortschritte zu machen, wie das von einem Märchenhelden zu erwarten wäre.
Auch zögert sie mitten über dem Bach, als sie ins Wasser schaut. Trippeln und Zögern – beides ist unbeherrscht. Statt sich für andere zu opfern, zerstört sie die "Brücke zum anderen Ufer", im Märchen das Sinnbild für die Verbindung zwischen Erde und Himmel.

Der Strohhalm trug früher lebenspendendes Korn in der Ähre, jetzt spendet er kein Leben mehr, ist so trocken, so daß er der Hitzigkeit der Kohle unterliegt, taugt deshalb nicht als Brücke zum anderen Ufer.

Die Bohne gerät vor Schadenfreude außer sich (auf Schwäbisch: se goht obe naus) und platzt. Darauf ruft ihr der Schneider sozusagen zu :”Nimm dich zusammen!”, indem er sie wieder zusammennäht. Der schwarze Faden macht ihr ein Rückgrat, holt sie wieder auf die Erde, auf den Boden der Tatsachen herab.


(Frank Jentzsch 8.2.2008 / 6.6.2008)


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