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Strohhalm,
Kohle und Bohne (Originaltext
siehe --> Brüder Grimm, KHM Ausgabe letzter Hand von
1857, Nr. 18)
Vom
heiligen Herdfeuer kommt die glühende Kohle. Dort ist
es ihre Aufgabe, sich selbst zu opfern und Wärme zu spenden.
Aber sie benimmt sich nicht entsprechend würdevoll. Sie
flieht vor dieser Aufgabe, geht andere Wege, ist aber noch
zu hitzig und trippelt zu schnell vorwärts, anstatt stetig
und zielstrebig Fortschritte zu machen, wie das von einem
Märchenhelden zu erwarten wäre.
Auch zögert sie mitten über dem Bach, als sie ins
Wasser schaut. Trippeln und Zögern – beides ist
unbeherrscht. Statt sich für andere zu opfern, zerstört
sie die "Brücke zum anderen Ufer", im Märchen
das Sinnbild für die Verbindung zwischen Erde und Himmel.
Der
Strohhalm trug früher lebenspendendes Korn in der Ähre,
jetzt spendet er kein Leben mehr, ist so trocken, so daß
er der Hitzigkeit der Kohle unterliegt, taugt deshalb nicht
als Brücke zum anderen Ufer.
Die
Bohne gerät vor Schadenfreude außer sich (auf Schwäbisch:
se goht obe naus) und platzt. Darauf ruft ihr der Schneider
sozusagen zu :”Nimm dich zusammen!”, indem er
sie wieder zusammennäht. Der schwarze Faden macht ihr
ein Rückgrat, holt sie wieder auf die Erde, auf den Boden
der Tatsachen herab.
(Frank Jentzsch 8.2.2008 / 6.6.2008)
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